Das Leben ist zu kurz um

schlechte Musik zu hören

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vom Blues zum Rock'n'Roll

 

Das Wort "Blue" steht für Melancholie, Schwermut und Trauer. Der Ursprung der Bluesmusik konnte in Afrika, bei den Watussi und Wolof gefunden werden. Trotzdem ist der Blues keine reine schwarze Musik. Erst durch die Verschmelzung der afrikanischen und europäischen Musik konnte die Blues-Musik entstehen.

Bereits vor 1850 soll diese Musik gespielt worden sein. Da zu dieser Zeit noch keine Tonaufnahmen möglich waren und die Musiker auch keine Noten dazu schrieben, beruht diese Angabe jedoch lediglich auf mündlicher Überlieferung.

In den Südstaaten sangen die Sklaven Lieder, die vom schweren Leiden und den Entbehrungen ihres Daseins erzählten. Dazu spielten sie das Banjo, welches Sie aus ihrer afrikanischen Heimat mitbrachten. In einer Art Zwiegespräch" mit dem Instrument wurde eine Zeile gesungen und vom Banjo beantwortet. Die Lieder enthielten ausserdem bisher unbekannte Intonationen, die so genannten "Blue-Notes".

 

In den Gefängnissen entwickelten sich die so genannten "Work-Songs“ die von Mördern, Prostituierten, der brennenden Sonne erzählten. Daraus entwickelten sich die Feld- und Tanz-Lieder, Spirituals und Balladen, die von den "Bluesmen", zuerst in die ländlichen Gebiete des Südens, und nach dem Bürgerkrieg auch in den Norden Amerikas getragen wurden. Ab 1900 gehörte die Bezeichnung Blues bereits zum allgemeinen Sprachgebrauch.

 

Ab 1910 gewann die Blues Musik mehr Bekanntheit. Der schwarze Komponisten W.C. Handy erreichte mit den Songs "Memphis Blues“ (1912) und "St. Louis Blues“ (1914) schon beachtliche Popularität. Auch Mamie Smith's "Crazy Blues“ (1920) zählte zu den erfolgreichen Titeln. Bessie Smith und später Billie Holiday, gelangen dann sogar die ersten Millionen Hits. Diese Lieder bildete die Basis für die Entstehung des Jazz.

 

 

Im Norden der USA waren zu dieser Zeit die Swing Big-Bands gross angesagt. Durch den Zuzug vieler Schwarzer aus dem Süden, fand bald auch der Blues seinen Weg in das Repertoire dieser Bands. Leute wie Benny Goodman wagten bereits in den 30er Jahren sogar schwarze Musiker im Ensemble mitspielen zu lassen. Ebenfalls in Bigbands waren erstmals die "elektrifizierten" Gitarren zu hören. Ein weiteres, sehr wichtiges Puzzle in der Entstehungsgeschichte der heutigen Musik. Wer sich übrigens mal die "Jive" und "Boogie" Titel dieser Gruppe anhört, findet hier ganz klar die rhythmischen Wurzeln des Rock'n'Roll. Schon in den 20er Jahren entstand auch der "Swing-Dance" und wird heute noch zur Rock’n’Roll Musik getanzt.

 

 

In den 40er wurde in Chicago und Detroit, von Musikern wie Muddy Waters, Willie Dixon, John Lee Hooker, Howlin’ Wolf, Elmore James und vielen anderen noch der ursprüngliche Mississippi Delta Blues gepflegt. Sehr bald kamen hier nun die Instrumente der Weissen - Bass, Drums, Piano Saxophon und Mundharmonika - dazu. T-Bone Walker in Houston und B.B. King in Memphis verbanden auf der Elektro-Gitarre die Techniken des Jazz mit der Tonalität und dem Repertoire des Blues. Mit Bläsergruppen ergänzt und etwas härter gespielt entstand mit dem "Rhythm and Blues" das wohl wichtigste Elemente der modernen Rock & Roll Musik.

 

   Mit dem Song "Caldonia" war Louis Jordan schon 1944 verdammt nah dran, am Rock'n'Roll:  

 

Nur - Damals hatte dieses Wort noch überhaupt nichts mit Musik zu tun, sondern wurde umgangssprachlich als Bezeichnung für den Beischlaf benutzt. 1951 jedoch, inspirierte der Song "My Baby Rocks Me with a Steady Roll" den Swing-Dance und Rhythm & Blues Disc-Jockey Alan Freed alias Moondog erstmals den Begriff "Rock and Roll" im Zusammenhang mit Musik zu verwenden. Damit erhielt vorerst zwar lediglich der Swing-Dance eine neue Bezeichnung. Die "Rock" Musik erobert trotzdem alsbald die Welt. 1954 veranstaltet Alan Fredd in Cleveland übrigens auch das allererste Rock Konzert der Welt.

 

 

Ebenfalls im Jahr 1951 wurde unter dem Namen Jackie Brenston and his Delta Cats eine Sun Records Single mit dem Titel "Rocket 88" veröffentlicht. Der Song eroberte Platz 1 in den R'n'B Charts. Hinter dem Projekt verbarg sich ein bisher noch ziemlich unbekannter schwarzer Jüngling mit dem Namen Ike Turner! Gerade mal 19 jährig und frisch verheiratet mit der ebenfalls noch völlig unbekannten Tina. Ike hat den Song selber geschrieben, mit seiner Band Kings of Rhythm eingespielt und von seinem Saxophonisten Brenston singen lassen. Interessanterweise wird ausgerechnet diese Nummer in der Rock and Roll Hall of Fame als erste Rock'n'Roll Aufnahme überhaupt eingetragen. Ob gerechtfertigt oder nicht, entscheide selbst:

 

  Jackie Brenston - Rocket 88 

 

 

  Crazy Man, Crazy 

 

1953 schliesslich, reduzierte ein gewisser Bill Haley seine Country-Combo "Bill Haley with his Haley´s Comets" auf 5 Mann und nannte sie von nun an "Bill Haley and the Comets". Mit diesen Leuten verband er die Rhythmik und Spielweise der weissen Country-Musik mit dem Rhythm & Blues Sound der Schwarzen. Er komponierte den ersten auf diese weise arrangierten Song "Crazy Man Crazy", welcher auf Anhieb Platz 20 der Pop-Charts erreichte und über 1 Million mal verkauft wurde. Haley gelang es dem Rock'n'Roll das letzte, fehlende Puzzleteil hinzuzufügen. Deshalb wird diese Aufnahme auch als Wurzel des weissen Rock'n'Roll bezeichnet.

 

1954 entdeckte Haley den Jimmy DeKnight/Max C. Freedman Song "Rock Around The Clock". der bereits 1952 von Sunny Dee im Rhythm and Blues Stil veröffentlicht wurde. Halley verpasste dem R'n'B Titel seinen neuen Sound und liess ihn auf die B-Seite der Single "Thirteen Woman" pressen. Damals wurde der Song aber noch nicht von vielen Leuten wahrgenommen. Die ebenfalls 1954 herausgegebene Single "Shake Rattle And Roll" lief wesentlich besser. Erst 1955, als "Rock Around The Clock" als Titelmusik zum Film "Saat der Gewalt" verwendet wurde, und ausserdem nun doch noch als A-Seite in die Platten-Shops kam, wurde "Rock Around The Clock" zuerst in Amerika und später in der ganzen Welt zum Megahit. Über 20 Millionen Exemplare wurden verkauft. Damit gebührt "Rock Around The Clock" immerhin das Prädikat des meistverkauften Rock’n’Roll Songs der Welt. Der definitive Durchbruch gelang jedoch erst 1955 und die ganz grossen Erfolg blieben dann Elvis Presley und seinen Nachfolgern vorbehalten.

Wie man abschliessend unschwer erkennen kann, wurde der Rock and Roll - obwohl von gewissen Radio und TV-Stationen immer wieder beharrlich behauptet - mit Sicherheit nicht erst 1954 erfunden. Die (Blues) Wurzeln liegen im Jahr 18xx, getanzt wird er bereits seit 1920, gespielt schon in den 30er Jahren, seinen Namen erhielt er 1951 und weltweit richtig bekannt wurde er erst in zweiten Hälfte der 50er Jahre. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass Bill Haley in meinem Geburtsjahr 1953 seine erste Rock'n'Roll Platte veröffentlichte.

 

siehe auch Die Geschichte der Schallplatte

© Andy Bucher